Korporierte Gewalt in Göttingen am Beispiel von Jan Philipp Jaenecke

In den letzten Monaten hat das Gewaltpotential der korporierten Szene in Göttingen zugenommen. Als prägnantestes Beispiel ist neben den Softairgewehrschüssen aus der Burschenschaft Germania in ein linken Studentenwohnheim sicherlich das Auftreten des Landsmannschafters Jan Philipp Jaenecke zu nennen.

Jan Philipp JaeneckeDer BWL-Student und Mitglied der Landsmannschaft Verdensia fällt seit dem Wintersemester 2014/15 regelmäßig auf. Zunächst bedrohte er mehrmals Mitglieder des Fachschaftsrats (FSR) Sozialwissenschaften. Er verschaffte sich Zutritt zu den Räumlichkeiten und bedrängte, nicht nur verbal, wiederholt Mitglieder des FSR. Dabei zeterte Jaenecke ohne erkennbaren Zusammenhang über angeblichen „Gender-Wahnsinn“, das „linke Pack“ und betrauerte das Ende der neonazistischen Trauermärsche zur alliierten Bombardierung Dresdens. Ferner fotografierte er ein Mitglied ab und teilte ein weiteres Mal mit, er werde sich eines Mitglieds „Gesicht schon merken“ und die betroffene Person „werde schon sehen“. Nach insgesamt vier Vorfällen, bei welchen zumindest einmal auch ein Fuchs der Landsmannschaft Verdensia beteiligt war, veröffentlichte der FSR Sozialwissenschaften die Vorfälle am 14. Januar 2015. Seitdem blieb Jaenecke trotz seiner großspurigen Drohungen den Räumlichkeiten des Fachschaftsrates fern.

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Im gleichen Zeitraum begann Jaenecke zumindest online sein Interesse für extrem rechte Bewegungen zu zeigen. Er kommentierte im Januar während der Hochphase der vornehmlich islamfeindlichen und rassistischen PEGIDA-Bewegung auf verschiedenen Pegida-Seiten, wobei er unter anderem eine wirkliche „Souveränität Deutschlands“ forderte. Im Verlauf des Jahres verlagerte er sein Engagement bei Facebook und Co zu der neurechten und ethnopluralistischen „Identitären Bewegung“, welche im deutschsprachigem Raum stark im extrem rechten Flügel des Korporierten-Milieus vertreten ist. So erklärte er sich dazu bereit, Propagandamaterial abzunehmen und unter seinen Freunden zu verteilen. Zudem zeigte Jaenecke den Wunsch, dass „identitäre“ Aktionen, die sich gegen Informationsstände linker Hochschulgruppen richteten, auch in Göttingen geschehen sollten. Wohl aufgrund der relativ großen linken Szene der Stadt gehe es hier „zur Sache“, dagegen wünschte er sich offensichtlich extrem rechten Gegenprotest. Nachdem in einem linksunten.indymedia-Artikel über Göttinger extrem rechte Verbinder Jaeneckes Name das erste Mal genannt wurde, legte er sich, wenn auch nur für kurze Zeit, ein neues Profilbild der „Identitären Bewegung“ bei Facebook zu, so als wolle er den Inhalt des Artikels direkt bestätigen.

In diesem Zusammenhang ist es kein Wunder, dass Jaenecke – wie die Landsmannschaft Verdensia im Allgemeinen – keinerlei Berührungsängste mit der extrem rechten Burschenschaft Hannovera hat. Auch in dieser Verbindung gibt es z. B. mit Frederik Romey Aktivitas, die mit der identitären Bewegung sympathisieren. Zu mehreren Anlässen zeigte man sich bereits zusammen in der Öffentlichkeit. Zudem sucht Jaenecke die Nähe der Hochschulgruppe der Jungen Alternativen, bei welcher der lokal wohl umtriebigste Aktivist der studentischen Extremen Rechten, Hannovera-Aktivitas Lars Steinke, Gründungsinitiator wie auch Vorsitzender ist.

Dass es Jaenecke nicht bei verbalen Gewaltdrohungen belässt, zeigte ein Vorfall am 14. Juli 2015. Hierbei schubste er eine Person, die er der linken Szene Göttingens zurechnete, vor dem Verbindungshaus der Landsmannschaft Verdensia vom Fahrrad. Daraufhin erlitt der von Jaenecke Geschädigte einen Kreuzband- wie auch einen Meniskusriss. Damit hat er die Grenze körperlicher Gewalt überschritten.


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